Pico Bolivar

Höchster Gipfel Venezuelas ist der Pico Bolívar, der zu den reizvollsten Ausflugszielen begeisterter Kletterfans zählt, die bleibende Eindrücke sammeln wollen. 4.981 Meter weit ragt der spektakuläre Gipfel auf, der als Teil der Anden gilt.

Die Entstehung des Pico Bolívar

Pico BolivarDer höchste venezolanische Berggipfel, der sich unweit der Stadt Mérida, im Nordwesten Venezuelas, erhebt, ist Bestandteil der Anden, der zweithöchsten Gebirgskette weltweit. Die Anden, die sich von Venezuela bis nach Chile erstrecken, sind vor etwa 60 Millionen Jahren entstanden, als zwei Kontinentalplatten sich aufeinander zubewegten. Ein Bestandteil dieser Plattenbewegung war die Südamerikanische Platte, die den größten Kontinentalplatten der Erde angehört. Andererseits war es die Nazca-Platte, die sich unaufhörlich in Richtung Osten bewegte. Benannt wurde die Nazca-Platte, die sich aus dem obersten Teil des Erdmantels und aus der Erdkruste zusammensetzt, nach einer peruanischen Hafenstadt.

Im Laufe der Zeit tauchte die Nazca-Platte buchstäblich unter die Südamerikanische Platte, sodass zwei Tiefseegräben, der Peru- und Atacamagraben, entstanden, die Tiefen von bis zu 8.100 Metern aufweisen. Oberhalb der Wasseroberfläche erhob die Landschaft sich zu einem spektakulären Hochgebirge, das unzählige Gipfel, darunter den Pico Bolívar, entstehen ließ, die als Ziel ehrgeiziger Bergsteiger gelten.

Flora und Fauna

Gipel des Pico BolivarMit einer Höhe von rund 5.000 Metern weist der Pico Bolívar eine facettenreiche Flora und Fauna auf, die mit zunehmender Höhe abnimmt. Hobby- und Profibergsteigern bietet sich eine eindrucksvolle Vielfalt, die unvergessliche Erinnerungsfotos entstehen lässt. Am Fuße dieses sensationellen Berggipfels sorgen rauschende Bäche und Wasserfälle für eine dicht bewachsene Landschaft, die zahlreichen Tieren eine Heimat bietet. Dichter Nebelwald, der weite Teile subtropischer Regionen Venezuelas bedeckt, schafft einen grandiosen Artenreichtum, der sich aus knorrigen Baumriesen, Moosen und duftenden Bromelien und Orchideen zusammensetzt. In höheren Lagen sind einzelne fleischfressende Pflanzen und Gräser erkennbar, die sich dem kräftezehrenden Höhenklima angepasst haben.

Von Mai bis Oktober ist der oberste Abschnitt des Pico Bolívar mit Schnee bedeckt, weshalb Gipfelstürmer eine entsprechende Ausrüstung benötigen. In höheren Regionen können nur wenige Schmetterlinge und Bussarde beobachtet werden, während das fruchtbare Dickicht rund um den Pico Bolívar zahlreiche Tierarten preisgibt. In den Nebelwäldern, die einen faszinierenden Nebelschleier entstehen lassen, leben Jaguare, Leoparden, Pumas und der beeindruckende Andenkondor, dessen Flügel eine Spannweite von 3 Metern erreichen.

Die Besteigung des Pico Bolívar

Der Pico Bolívar steht auch heute noch im Fokus enthusiastischer Bergsteiger, die den Gipfel bezwingen und bleibende Erinnerungen sammeln wollen. Die Erstbesteigung des Berges ist unzureichend belegt. Die Meinungen gehen diesbezüglich weit auseinander, ob es Enrique Bourgoin, Domingo Peña, H. Márquez Molina oder deutsche Bergsteiger waren, die den Pico Bolívar 1935 oder 1936 erklommen haben.

Die Tour, die auf den Gipfel des Pico Bolívar führt, ist technisch äußerst anspruchsvoll und erfordert ein wenig Übung. Wärmende Kleidung und entsprechendes Equipment sind ebenso erforderlich wie festes Schuhwerk und eine Schneebrille, um den Witterungsbedingungen zu trotzen. Zwei Höhenwanderungen sind vorab zu empfehlen, um den Organismus auf die bevorstehenden Anstrengungen bestmöglich vorzubereiten.

Ausgangspunkt einer Bergbesteigung ist die venezolanische Stadt Mérida, von wo aus Tourenteilnehmer den Nationalpark Sierra Nevada binnen kürzester Zeit erreichen. Auf Wanderpfaden werden dichter Urwald, Bäche und Wasserfälle passiert. Mit zunehmender Höhe verwandelt die üppige Landschaft sich in ein karges Hochland, das geheimnisvolle Höhlen und traumhafte Lagunen, darunter die Laguna La Coromoto, entstehen lässt. Steiler und felsiger wird der Weg, der an einigen Stellen eine zusätzliche Ausrüstung erfordert. Zwei weitere Wasserstellen, die Laguna Verde und die Laguna El Suero, die zu erholsamen Zwischenstopps verführen, flankieren den Weg. Das türkisblaue Wasser, das mit den schroffen Felsplateaus zu verschmelzen scheint, gibt Anlass für unvergessliche Fotoaufnahmen.

Der letzte Abschnitt erfordert viel Kraft und Durchhaltevermögen, um die unwegsamen Steilhänge zu bezwingen. Seile und Karabinerhaken, die den Aufstieg optimal absichern, sind mitunter erforderlich. Oben bietet sich eine atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Berggipfel, die bei herrlichstem Sonnenschein besonders imponierend erscheinen. Anschließend folgt der Abstieg, der zunächst ins Basiscamp und in das kleine Andendorf Los Nevados führt, bevor die Tour in Mérida endet.